PRAXSUISSE News

20.3.2025

Professionelles Recruiting in einem engen Arbeitsmarkt

Niedergelassene Ärzte müssen viel mehr sein als hochqualifizierte Mediziner. Sie sind Unternehmer mit einer Vielzahl an Aufgaben, auf die das Medizinstudium nicht vorbereitet. So müssen sie unter anderem das richtige Personal finden, um ein gut funktionierendes Praxisteam zu haben. Professionelle Unterstützung spart hier nicht zuletzt Zeit und Nerven. Heike Lentes weiss, warum sich Hilfe durch Experten in den allermeisten Fällen auch finanziell lohnt. Sie berät und begleitet Praxisinhaber in Personalfragen und kennt die aktuellen Chancen und Herausforderungen des Arbeitsmarktes für Praxispersonal.

S’ISS: Liebe Frau Lentes, wie sieht die aktuelle Situation auf dem Schweizer Arbeitsmarkt aus?
Heike Lentes: Konkret ist es bei der Suche nach einer MPA in der Regel so, dass maximal zehn Bewerbungen eingehen, von denen ca. zwei von einer gelernten MPA, die anderen von FaGes oder anderen kommen. Meist konkurrieren Arbeitgeber um Bewerber, so dass diese die Wahl haben und immer höhere Anforderungen hinsichtlich Lohn und zusätzlicher Benefits durchsetzen können.

Was bedeutet das konkret für Praxisinhaber? Welchen Herausforderungen
beim Recruiting müssen sie sich stellen?

Es besteht schlicht in der Breite ein Mangel an geeignetem Fachpersonal. Auf ausgeschriebene Stellen gibt es in aller Regel nur noch eine sehr geringe Anzahl an Bewerbungen, so dass teilweise Abstriche bei den Anforderungen gemacht werden müssen, damit eine Stelle überhaupt besetzt werden kann. Ein Trend ist aktuell, dass sich Fachangestellte Gesundheit, die den Ausstieg aus der Pflege suchen, vermehrt um MPA-Stellen in Praxen bewerben. Das ist zugleich Chance und Herausforderung für die Praxisinhaber. Auch steigt die Anzahl an Teilzeitkräften, insbesondere bei jüngeren Mitarbeitenden. Hier gilt teils schon «80 Prozent ist das neue Vollzeit». Überdies besteht eine hohe Wechselbereitschaft. Die durchschnittliche Verweildauer einer MPA in einer Arztpraxis liegt je nach Region und Fachrichtung bei gerade einmal eineinhalb Jahren. Ein geringfügig höheres Gehalt ebenso wie Entwicklungsperspektiven verleiten sie zum Jobwechsel. Professionelles Recruiting ist angesichts der Gesamtsituation für Praxisinhaber heute umso wichtiger. 

Zumal viele Praxisinhaber nicht viel Erfahrung im Recruiting besitzen?
Genau. Mediziner sind hervorragend ausgebildet, jedoch in der Regel nicht in Sachen Personalmanagement und Recruiting. Oft werden eigene Erfahrungen auf die Suche von MPAs übertragen, obwohl es sich um einen ganz anderen Bewerbermarkt handelt. Fachwissen und Erfahrung in der Personalsuche – von der richtigen Formulierung und Platzierung des Suchinserats über das Lesen eines Arbeitszeugnisses bis zur Durchführung professioneller Auswahlgespräche – sind deshalb bei den meisten Ärzten nicht oder nur eingeschränkt vorhanden. Auch ist der gesamte Prozess zeitraubend – die Bewerbungen müssen gesichtet und sehr zeitnah bearbeitet werden. All dies ist parallel zum Praxisbetrieb zu leisten; teilweise sogar «heimlich», wenn Ersatz für eine Kraft gesucht wird, von der man sich trennen möchte. Telefonische Erreichbarkeit für Bewerberinnen und Bewerber mit Rückfragen ist wichtig, organisatorisch im laufenden Praxisbetrieb oft aber schwer abzubilden. Diese Telefonate werden auf Abende oder das Wochenende verschoben, was zu Verzögerungen führt, die beim Werben um die besten Kräfte den entscheidenden Nachteil darstellen können. All das kostet einen Arzt (und sein Team) Zeit, Geld und Nerven, die besser in die Betreuung der Patienten investiert wären.

Sehen Sie neben Erfahrung ein weiteres Kriterium, das für ein erfolgreiches
Recruiting entscheidend ist?

Heute ist der Faktor Zeit entscheidend. Zwischen dem Eingang einer Bewerbung über das Kennenlernen bis zum Vertragsangebot bei erfolgreichem Verlauf sollten idealerweise nicht mehr als zwei, maximal drei Wochen liegen. Ansonsten ist die Gefahr hoch, dass ein anderes Angebot angenommen wird. Dies erfordert ein straffes Management des Bewerbungsprozesses. 

Welche Personaldienstleistungen übernimmt die ACADEMIX Consult bei Bedarf für ihre Mandaten?
Die ACADEMIX Consult unterstützt ihre Mandanten von der Anzeigenschaltung über Vorgespräche bis hin zur Arbeitsvertragsgestaltung. Konkret formulieren wir die Stellenausschreibungen, platzieren die Inserate, sind Anlaufstelle für Rückfragen interessierter Kandidaten, führen Vorgespräche mit geeigneten Bewerbern, geben Gehaltsempfehlungen und gestalten bei Bedarf die Arbeitsverträge. Darüber hinaus beraten wir in arbeitsrechtlichen Fragen. Unser Ziel ist es, die Rekrutierung so zu gestalten, dass der Arzt komplett von der Administration entlastet wird und sich auf die wesentlichen Punkte im Prozess konzentrieren kann: Persönliche Gespräche mit vorselektierten Bewerberinnen und Bewerbern zur Abklärung der detaillierten fachlichen Expertise sowie der Passgenauigkeit auf menschlicher Ebene. Auf Wunsch führen wir aber auch persönliche Interviews mit geeigneten Kandidaten oder Vertragsverhandlungen. Letztlich gestalten wir unsere Leistungspakete entsprechend der individuellen Ansprüche unserer Mandanten. 

Was gibt es beim Führen der Bewerbungsgespräche zu beachten?
Beispielsweise ist es wichtig zu wissen, welche Fragen man Stellenanwärtern im Bewerbungsgespräch stellen darf und welche nicht. Ohnehin habe ich die Erfahrung gemacht, dass arbeitsrechtliche Fragestellungen oft so gar nicht unserem instinktiven Rechtsempfinden entsprechen. Zum Thema Arbeitsrecht bietet die ACADEMIX Consult neuerdings eine eigene Informationsveranstaltung an.

An wen richtet sich diese und was lernt man dort?
Unser halbtägiges Seminar zum Thema Arbeitsrecht soll Praxisinhabern einen Überblick über die für einen Arbeitgeber wesentlichen Themen, Stolpersteine und Tipps geben, die ein Arbeitgeber kennen sollte. Über das dort vermittelte Basiswissen sollte wirklich jeder Mediziner verfügen, der Angestellte beschäftigt. Andernfalls kann es auch schnell mal teuer werden. 

Wie geht es weiter, wenn neue Praxismitarbeiterinnen eingestellt sind?
Idealerweise übernimmt nach dem Einstellungsentscheid der Treuhänder. Ist der richtige Bewerber gefunden, kümmert sich unser Treuhand-Team um die sozialversicherungsrechtlichen Anmeldungen und die Lohn- und Personaladministration. Für den Mediziner bedeutet dies eine fast vollständige Entlastung von fachfremden Themen. Die ACADEMIX Consult bietet all diese Dienstleistungen aus einer Hand an, was das Procedere zusätzlich optimiert, wenn ein Praxisinhaber sich dazu entschliesst, uns mit beiden Dienstleistungen zu beauftragen.

Last but not least eine Prognosefrage: Was denken Sie, setzt sich der aktuelle Trend auf dem Arbeitsmarkt fort?
Ich denke, ja. Der Arbeitsmarkt in der Schweiz bleibt auch in Zukunft «Arbeitnehmermarkt». Die Arbeitslosenquote ist niedrig. Die Generation der Babyboomer geht zunehmend in Rente. Die junge nachkommende Generation legt deutlich mehr Wert auf eine gute Work-Life-Balance. Ich denke, die Situation wird sich eher sogar noch verschärfen. Praxisinhaber sind also auch künftig gut beraten, die Rekrutierung ihres Praxispersonals in professionelle Hände zu legen.

Vielen Dank für das Gespräch!